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eVOCATIOn-Netzwerktreffen 2020 am Albrecht-Ernst-Gymnasium in Oettingen

Die Grundidee der eVOCATIOn-Netzwerktreffen ist, Teilnehmerinnen und Teilnehmern von eVOCATIOn-Kursen an Schulen, die sich auf den Weg zur personorientierten Begabungsförderung begeben haben, auch nach Abschluss der jeweiligen Weiterbildung die Gelegenheit zu geben, in Kontakt zu bleiben – sowohl persönlich als auch inhaltlich. Nachdem im Februar 2019 das erste Treffen der eVOCATIOn-Netzwerkschulen am Kurfürst-Friedrich-Gymnasium in Heidelberg stattgefunden hatte, folgte am 24. und 25. Januar 2020 das zweite Netzwerktreffen am Albrecht-Ernst-Gymnasium in Oettingen.

Bei den Netzwerktreffen geht es grundsätzlich um den kontinuierlichen Ideenaustausch und gegenseitige Impulse zur Umsetzung der personorientierten Begabungsförderung aus der Praxis der jeweiligen Schule. In diesem Jahr konnten Vertreterinnen und Vertreter der Johann-Peter-Hebel-Gemeinschaftsschule in Bretten, des Deutschhaus-Gymnasiums in Würzburg, des Kurfürst-Friedrich-Gymnasiums in Heidelberg, des Evangelischen Gymnasiums Hermannswerder in Potsdam, der Sacré-Coeur-Schulen in Wien und Bregenz sowie der Sir-Karl-Popper-Schule in Wien teilnehmen. Finanziert werden konnte dieses Treffen durch die Unterstützung der Karg- Stiftung.

Netzwerktreffen eVOCATIOn 2020 in Oettingen

Inhaltlicher Schwerpunkt des ersten Tages war es, Eindrücke von der personorientierten Begabungsförderung am Albrecht-Ernst-Gymnasium (Oettingen in Bayern) zu bekommen und die konkrete Realisierung kennenzulernen. Zum Auftakt stellte Wolfgang Knoll, Beratungs-, Latein- und Griechischlehrer am Albrecht-Ernst-Gymnasium, das Schulkonzept und die damit verbundenen Rahmenbedingungen vor. Über die Wissensvermittlung hinaus sieht sich die Schulgemeinschaft auch der Persönlichkeitsentwicklung und der Werteerziehung verpflichtet. Dafür ist es wichtig, die Autonomie der Schüler zu stärken und ihnen Verantwortung für ihren Lernprozess zu übergeben.

Die Chance zur Umsetzung dieses Konzepts ergab sich durch eine Renovierung, bei der die räumliche Gestaltung so verändert wurde, dass die pädagogischen Leitlinien eines selbstständigen, eigenverantwortlichen und schülerzentrierten Lernens möglichst optimal verwirklicht werden können. Es wurden Lernlandschaften gestaltet, in denen die Klassenzimmer keine Türen mehr haben und sich zudem mit Fenstern in einen gemeinsamen Raum öffnen. Sowohl in den Klassenzimmern als auch im offenen Raum sind Tische und Stühle nicht fixiert, wodurch das leichte Umstellen für verschiedene Lernsituationen möglich ist. In offenen Regalen liegen Bücher und Arbeitsmaterialien für kooperative und selbstgesteuerte Lernphasen bereit. Auch Tablets und Laptops stehen zur Verfügung. Der offene Raum lädt zu Begegnungen und Gesprächen ein.

Netzwerktreffen eVOCATIOn 2020 in Oettingen

Im Rahmen des Netzwerktreffens wurde deutlich, dass sich das Albrecht-Ernst-Gymnasium seit gut einem Jahrzehnt mit Gedanken der Personorientierung auseinandergesetzt hat. Die Schule kann deshalb als gelungenes Beispiel für eine eVOCATIOn-Netzwerkschule gelten.

Am zweiten Tag standen Theorie und Reflexion von Schulentwicklungsprozessen im Mittelpunkt. Dr. Corinna Maulbetsch von der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe stellte dar, wie Begabungsförderung Motor und Ziel von Schulentwicklung sein kann. Das Wissen darum, wie Veränderungsprozesse erfolgreich angestoßen und vorangetrieben werden können, hilft dabei, Ideen in die eigene Schule zu übertragen.

Eindrucksvoll präsentierten in diesem Sinn die Vertreterinnen der Sacré-Coeur-Schule Riedenburg in Bregenz ihren Weg der Schulentwicklung, der durch Anregungen aus den eVOCATIOn-Weiterbildungen in Österreich und durch mehrere schulinterne Lehrerfortbildungen unterstützt worden war.

Inspiriert durch viele neue Impulse zur Begabungsförderung und den bereichernden Austausch untereinander, warten die gewonnene Eindrücke des Netzwerktreffens darauf, in die Konzepte der Personorientierung an den eigenen Schulen eingearbeitet zu werden.

(Text und Fotos: Jürgen Gräbner)

Buchvorstellung: Armin Hackl & Günter Schmid „Erlebnis Bildung“

Pädagogische Fachbücher, denen explizit die eVOCATIOn-Idee zugrundeliegt, gibt es nicht viele. Günter Schmid und Armin Hackl, zwei der Initiatoren von eVOCATIOn, haben ein Buch geschrieben, in dem vieles aus dem eVOCATIOn-Gedankengut steckt. „Erlebnis Bildung. Lernen nachhaltig gestalten. Begabungen fördern“ ist im August 2016 beim Verlag Schneider Hohengehren erschienen und sei im Folgenden vorgestellt.

Cover: Hackl & Schmid „Erlebnis Bildung"Der Titel des Buches ist Programm: Nur wenn es den Lehrenden gelingt, die jedem Menschen eigene individuelle Begabung auf der personalen Ebene anzusprechen und dementsprechend den Lernprozess unter dem Gesichtspunkt bewusst zu gestalten, dass das subjektive Lernerlebnis der Lernenden und nicht die Vermittlung von Inhalten und Stoffen das entscheidende Kriterium für dessen Nachhaltigkeit ist, kann aus gediegener „Ausbildung“ echte „Bildung“ werden. Im Zentrum aller pädagogischen Überlegungen steht dabei immer die Person des Schülers / der Schülerin, denn „Schule ist für Schülerinnen und Schüler da“.

In einer über ein Jahrzehnt währenden engen Schulpartnerschaft über nationale Grenzen hinweg haben die beiden Autoren nicht nur ihre jeweiligen Schulen (das Deutschhaus-Gymnasium Würzburg und die Sir-Karl-Popper-Schule Wien) zu international anerkannten Herzeige-Modellen entwickelt, sondern damit auch gleichzeitig Gabriele Weigands pädagogische Philosophie einer „Schule der Person“, die davon ausgeht, dass Schule von der Person des/der Lernenden her zu denken ist, einem erfolgreichen Praxistest unterzogen.

Die aus diesem praktischen Lernprozess, aus den sich in diesem Zusammenhang ergebenden nächtelangen Gesprächen und aus zahlreichen gemeinsam geplanten Fortbildungsveranstaltungen gewonnenen Erkenntnisse mündeten schließlich in dieser Darstellung einer neuen Sicht schulischer Begabungsförderung. Aus unterschiedlichen Ausgangspositionen in unterschiedlichen Schulsystemen kommend, mit unterschiedlicher persönlicher Akzentsetzung, und doch einander perfekt ergänzend, gelangen die beiden Autoren zu den gleichen Ergebnissen, die nicht bei der (derzeit noch weithin als der Weisheit letzter Schluss angesehenen) Individualisierung stehen bleiben. „Beziehung, Entscheidung in verantworteter Freiheit, Gestaltung und multidimensionale Leistung werden zu den zentralen Feldern einer personorientierten Schulentwicklung“, heißt es im Klappentext.

Im ersten Teil setzt sich Armin Hackl mit dem Begriff Begabung auseinander, präsentiert in einer Tour d´horizon die gängigen Modelle der Begabungsförderung, wägt Individualisierung und Personalisierung gegeneinander ab, definiert die Ziele personaler Begabungsförderung und stellt die entscheidenden Fragen: „Worin besteht der Mehrwert einer personalen Pädagogik? Wie wird Nachhaltigkeit erreicht?“

Im zweiten Teil leitet Günter Schmid von der Theorie zur Praxis über („Welche Konsequenzen hat das im ersten Teil Gesagte für meinen pädagogischen Alltag?“). Er widmet sich der Perspektive der Lehrenden, setzt sich mit der Bandbreite der Förderangebote auseinander („Fördern ist nicht gleich Fördern!“) und liefert, illustriert durch konkrete authentische und bewährte Beispiele aus der Praxis, detaillierte Beschreibungen konkreter Förderinstrumente. Damit qualifiziert sich das Buch unter anderem auch als Handbuch für die einzelne Lehrperson, die sich durch praktische Beispiele zu eigenem Tun anregen lassen möchte, ebenso wie für innovationsbereite Schulleitungen.

In News & Science 42/2016 (S. 69f) rezensiert Mag. Ulrike Kempter das Buch und hebt verschiedene Aspekte positiv hervor – unter anderem: dass kritisch Missstände und Missverständnisse im Schulbetrieb aufgezeigt würden, dass sich das Buch „mit wertvollen Praxisbeispielen vor allem der Rolle von Lehrenden und einer Begriffsklärung der Maßnahmen von personaler Begabungsförderung“ widmet. Das Buch berichtet davon, wie Begabungsförderung „gelingen, aber erwähnt auch ganz ehrlich, welchen Fallen man begegnen kann.“

Literaturangabe:
Hackl, Armin und Schmid, Günter (2016): Erlebnis Bildung: Lernen nachhaltig gestalten. Begabungen fördern. Schneider Hohengehren.

Hier kann man das Inhaltsverzeichnis einsehen.

Das eVOCATIOn-Grundlagenbuch ist da!

cover_buch_pobSeit Mitte August ist das langersehnte eVOCATIOn-Grundlagenbuch „Personorientierte Begabungsförderung“ mit vielen Aufsätzen von Prof. Gabriele Weigand, Armin Hackl, Prof. Victor Müller-Oppliger, Dr. Corinna Maulbetsch, Renate Wustinger und Dr. Günter Schmid im Buchhandel erhältlich! Das Buch ist in der Reihe „hochbegabung und pädagogische praxis“ erschienen, die von der Karg-Stiftung, Victor Müller-Oppliger, Gabriele Weigand und Heinz-Werner Wollersheim herausgegeben und durch die Karg-Stiftung finanziell unterstützt wird.

Einen Blick ins Inhaltsverzeichnis kann man hier werfen.