Modul 2: Begabungen (an-)erkennen

Neben einem diagnostisch messbaren Intelligenzwert liegen oft nicht abrufbare oder absichtsvoll versteckte und daher unerkannte individuelle Begabungen bei Schülerinnen und Schülern vor. Begabungen und Intelligenz zeigen sich nicht zwingend und in jedem Fall anhand überdurchschnittlicher Leistungen.

Um Begabungen und versteckte Potenziale zu entdecken und zu erkennen, bedarf es einer differenzierten Beobachtungs- und Wahrnehmungskompetenz. Ein multiple Kriterien umfassendes, ganzheitliches Abklärungsverfahren (Screening) ist in der pädagogischen Diagnostik angezeigt, um die diversen Intelligenz- und Fähigkeitsbereiche zu erfassen. Damit bekommen auch schwer erkennbare Personengruppen (z. B. Minderleister) eine Chance, als besonders begabt identifiziert und gefördert zu werden. Die Etablierung einer durch Anerkennung und Wertschätzung geprägten Schulkultur unterstützt dabei die Entwicklung und Entfaltung der vorhandenen Begabungen, die unter günstigen Bedingungen und mit entsprechender Förderung und Begleitung in (Hoch-)Leistungen umgesetzt werden können.

Im Modul 2 werden Wege und Verfahren erläutert, wie Begabungen von Lehrpersonen erkannt werden können, wie mit Messwerten von Intelligenztests umgegangen werden kann und wie eine von Anerkennung und Wertschätzung geprägte Schulkultur aufgebaut werden kann.

Die einzelnen Segmente des Moduls thematisieren:

M 2.1: Erkennen von Begabungen: psychologische und pädagogische Begabungsdiagnostik

Nicht bei allen Schülerinnen und Schülern sind ihre besonderen Begabungen auf den ersten Blick zu erkennen. Psychologische und pädagogische Diagnostik bieten Hilfsmittel, um die Identifizierung von Begabungen zu verbessern. In Modul 2.1 werden Intelligenztests vorgestellt und kritisch reflektiert. Außerdem werden Methoden der Begabungserkennung für Lehrkräfte im Unterricht und außerhalb des Unterrichts vermittelt.

M 2.2 Entwicklung von Beobachtungskompetenz

Unsere Wahrnehmung ist unvollständig und fehlerhaft, sie unterliegt Beobachtungsfehlern, die in der pädagogisch-psychologischen Fachliteratur hinreichend beschrieben werden. Wie können Beobachtungsfehler verringert oder vermieden werden? Mit welchen Hilfsmitteln kann man das Erkennen von Begabungen mittels Beobachtung verbessern? In Modulsegment 2.2 werden diese Fragen gestellt und Antworten darauf gegeben.

M 2.3 Erkennen von schwer identifizierbaren Gruppen

Obwohl es einige Merkmale, die bei besonders begabten Schülerinnen und Schülern häufig zu beobachten sind, gibt, fallen dennoch immer wieder bestimmte Schülerinnen oder Schüler nicht auf – beispielsweise die „fleißigen“ Mädchen oder auch Kinder mit Migrationshintergrund, die nicht selten an Sprachbarrieren scheitern. Welche Möglichkeiten Schule oder Lehrkräfte entwickeln können, um die Begabungen dieser Schülerinnen und Schüler entsprechend zu erkennen, ist Inhalt dieses Segments. Einen Schwerpunkt von Modul 2.3 bildet das Thema Underachievement (Minderleistung). Hierbei geht es nicht nur um die Identifizierung von Underachievern, sondern auch darum, wie ihnen in Ansätzen geholfen werden kann.

M 2.4 Umgang mit Intelligenztestgutachten

In Intelligenzgutachten wird die Begabung häufig auf einen Intelligenztestwert reduziert, dessen Aussage höchst zweifelhaft ist. Vermittelt wird in diesem Segment, welche Kriterien fundierte Gutachten erfüllen sollten. Anhand von Gutachten-Beispielen wird das kritische Lesen und die Interpretation von Gutachten eingeübt und reflektiert. Ziel ist die Befähigung, schulisch sinnvoll mit Intelligenzgutachten umzugehen – auch in Bezug auf die Zusammenarbeit mit Eltern.

M 2.5 Anerkennung und Wertschätzung von Begabung

Begabungen wird immer wieder die Anerkennung verweigert, die Person eines Schülers z. T. abgelehnt. Modul 2.5 stellt Wege vor, wie im Gegensatz hierzu ein Schulklima geschaffen werden kann, das die besonderen Fähigkeiten des Einzelnen zum Tragen kommen lässt und als Bereicherung versteht.